Warum Mary eine Autorenbrille trägt
Figuren in einem Cosy Crime dürfen vertraut wirken. Schließlich sollen sich die Leserinnen und Leser in ihrer Welt wohlfühlen. Trotzdem brauchen sie etwas Eigenes, an das man sich erinnert.
Ein bloßer Trottel genügt dafür nicht. Das wäre vermutlich schon wieder ein anderes Genre.
Auch die Hauptfigur, die den Mord aufklärt, muss nicht alles besser wissen als die Polizei. Sie braucht vielmehr ihre eigene Art, Zusammenhänge zu erkennen.
Meine Mary trägt dabei eine Autorenbrille.
Natürlich nicht im wörtlichen Sinn. Sie betrachtet Menschen und Ereignisse so, wie sie es beim Schreiben gelernt hat. Sie sammelt Beobachtungen, ordnet Hinweise und sucht nach dem fehlenden Puzzleteil. Dabei nutzt sie eine Methode aus dem kreativen Schreiben: Sie plottet.
Ganz ohne Genlabor, Spezialcomputer oder technische Wundergeräte.
Mary besitzt noch andere Hilfsmittel. Doch ihre Autorenbrille ist das, woran man sich erinnern soll.
Jede Figur hat ein Leben vor dem Roman
Jeder einzelne Charakter in meinem Cosy Crime hat eine eigene Biografie erhalten. Die Figuren sind verschieden wie im wahren Leben. Sie haben Bedürfnisse, Wünsche und Eigenarten, einen Beruf und ihre Beschwerden. Dementsprechend haben sie auch eine Erziehung genossen und eine Kindheit hinter sich. Ihre Emotionen erwachsen aus diesen Erfahrungen, genau wie bei dir und mir. Nur, dass es im Cosy Crime nicht so blutig zugeht wie im Thriller.
Glaube ich an meine Figuren?
Ob eine Figur wirklich überzeugt, zeigt sich für mich häufig erst beim Lesen.
Sehr geholfen haben mir die Rückmeldungen meiner Testleserinnen und Testleser. Durch ihre Fragen konnte ich manche Figur mehrschichtiger gestalten und andere Stellen klarer machen.
Auch Rollenspiele können helfen. Oder man liest einen Dialog laut vor und hört plötzlich, dass eine Figur diesen Satz niemals so sagen würde.
Manchmal verändert schon ein Name den ganzen Menschen und gibt ihm einen Charakter.
Da ich sehr lange an diesem Roman gearbeitet habe, sind mir die Figuren inzwischen besonders wichtig geworden. Ich hoffe, dass sie nicht nur für die Handlung gebraucht werden, sondern wie Menschen wirken, die schon vor der ersten Romanseite ein Leben hatten.
Manches aus ihrer Vergangenheit wird nur angedeutet. Vielleicht wird das eine oder andere seltsame Ereignis später noch einmal aufgegriffen.
Und vielleicht denkst du dann:
Ach so. Deshalb.
Das würde mich freuen.
Meine Vorbilder
Ein wichtiges Vorbild für Engelntorf und Mary war Agatha Christies Miss Marple. Anfangs war mir das selbst nicht vollkommen bewusst. Mit der Zeit wurde es jedoch immer deutlicher.
Ich mag diese alte Dame einfach. Sie beobachtet genau, kennt die menschlichen Schwächen und wird von anderen gern unterschätzt.
Auch die Geschichten um Agatha Raisin von M. C. Beaton lese ich gern. Vor allem in England gibt es viele wunderbare Beispiele für Cosy Crime. Aber auch im deutschsprachigen Raum findet man inzwischen ganz unterschiedliche Varianten.
Manchmal steht eine Region im Mittelpunkt, manchmal ein besonderes Hobby oder sogar ein Tier. Genau diese Vielfalt macht für mich den Reiz des Genres aus.
Es lohnt sich, in der Buchhandlung danach zu suchen.
Welche Cosy-Crime-Figur magst du besonders gern? Schreib es mir gern in die Kommentare.
Noch mehr Figuren von mir
Auch in einigen meiner Kurzgeschichten und Anthologien begegnen dir Figuren aus Krimis – manchmal gemütlich und verschroben, manchmal deutlich näher am Thriller.
Vielleicht möchtest du einige von ihnen kennenlernen.
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